Sebastian Gruber

Taschenmesser

Wenn möglich solltest du immer eins dabei haben!

Das Messer ist ein sehr ursprüngliches Werkzeug, auch wenn es natürlich deutlich weiterentwickelt wurde. Es gibt Klingenstähle mit allen möglichen Kombinationen von Eigenschaften für verschiedenste Zwecke und in allen Preisklassen. Du brauchst nicht unbedingt ein teures Messer, aber die allzu billigen (nicht: preiswerten!) sind das Geld nicht wert.

Weit verbreitet sind Schweizer Messer, die an sich keine schlechte Wahl sind. Achte darauf dass du ein Original kaufst und keine asiatische Kopie, denn die Kopien sind meistens von sehr schlechter Qualität. Die Marken für Schweizer Messer sind Victorinox, Wenger (nur noch Restbestände) und neuerdings Swiza.

Preiswert sind auch die meisten Modelle der Marke Opinel.

Beliebt sind auch dedizierte Taschenmesser mit Clip für die Befestigung am Saum einer Tasche. Oft sind solche Messer auch einhändig bedienbar und feststellbar. Beachte dazu die rechtlichen Regelungen (siehe unten).

Es gibt solche feststellbaren Klappmesser mit Clip und Einhandbedienung von vielen Herstellern in vielen Varianten, Preisklassen, Einsatzzwecken. Um mal ein paar renommierte Marken und einige ihrer beliebten EDC-Modelle und -Serien zu nennen: Böker (nicht die Magnum-Serie kaufen!; Exskelibur, Urban Trapper), Benchmade (Griptilian, Barrage, Presidio), Spyderco (Delica, Endura, Chaparral), Lionsteel (Opera, SR1/2, Daghetta), Viper (Odino), Buck (Vantage) …. Es gibt noch viele andere. Ich tendiere hier dazu eher etwas höherpreisige Qualitätsware zu empfehlen. Lieber vorher den Markt beobachten, recherchieren, warten können, und dann wissen was du möchtest. Es schadet auch nicht gebrauchte Ware zu kaufen, wenn sie in gutem Zustand ist und einen angemessenen Preis hat.

Teilweise sind Messer extra auf verschiedene rechtliche Voraussetzungen abgestimmt (siehe Rechtliches weiter unten). Hauptsächlich von Böker (u.a. XS, »42«-Modelle) und Spyderco (u.a. Spy-DK, UKPK, Pingo) gibt es Einhandmesser ohne Verriegelung. In diese Kategorie fallen auch einige der eher seltenen sogenannten »Friction Folder« wie Vipers DAN.

Zur Frage Wellenschliff oder nicht: Ab und zu hast du die Auswahl zwischen Wellenschliff über die ganze Klingenlänge, über einen Teil der Klinge, oder eine komplett glatte Klinge. Wenn du noch nicht weißt was du willst, nimm letzteres. Für die typischen Aufgaben als EDC-Werkzeug ist ein glatter Schliff deutlich besser geeignet. Ein Wellenschliff bietet sich an, wenn du erwartest viel faseriges Material zu schneiden.

Klingengeometrie

Die Geometrie einer Klinge kann in verschiedenen Weisen ausgeführt sein, die alle verschiedene Vor- und Nachteile haben. Eine sehr dünne und gleichzeitig sehr spitz geschliffene Klinge is sehr scharf, wird das aber im Vergleich zu anderen Geometrien nicht sehr lange bleiben, da sie relativ empfindlich ist. So eine Klinge bietet sich eher für ziehende Schnitte und präzise Arbeit an. Fürs Hacken von Knochen oder Holz, und auch als Hebel ist sie nicht zu empfehlen. Dafür ist natürlich eine stabil gebaute relativ dicke Klinge viel eher zu gebrauchen.

Rechtliches

Deutschland

Du solltest wissen, was du wo legal dabei haben kannst. In Deutschland ist für Messer § 42a WaffG besonders relevant. Diese Regelung ist etwas unscharf, um Polizei und Justiz etwas Entscheidungsspielraum zu geben. Um es kompakt und vereinfacht für den Alltag zu formulieren1:

  • Du führst ein Messer, wenn du es halbwegs zugriffsbereit dabei hast. Wenn du es in einem verschlossenen Behältnis (z.B. einem Koffer mit Schloss) transportierst, dann ist das unproblematisch. Ein Auto ist kein verschlossenes Behältnis.
  • Führungsbeschränkte Messer darfst du für Zwecke wie Sport, Arbeit, Brauchtumspflege oder andere anerkannte Gründe führen, oder auf einem privaten Grundstück/Wohnung mit Zustimmung des Besitzers. Was ein anerkannter Grund ist ist nicht genau festgelegt. Du kannst versuchen der Polizei zu erklären, warum du glaubst einen zu haben. Andernfalls begehst du eine Ordnungswidrigkeit.
  • Ein einhändig feststellbares Messer ist führungsbeschränkt. Federunterstützte Öffnung gilt auch als einhändig.
  • Ein feststehendes Messer mit einer Klingenlänge von mehr als 12 cm ist führungsbeschränkt.
  • Klappmesser die zweihändig zu öffnen oder nicht feststellbar sind, oder festehende Messer mit einer Klinge von höchstens 12 cm sind nicht beschränkt. Im normalen Alltag kannst du sie führen. In speziellen Situationen wie in Gerichtsgebäuden, Parlamenten, Flugzeugen usw. gelten dann wieder andere Regeln.2
  • Ein paar spezielle Bauarten von Messern sind komplett illegal. Nicht nur das Führen sondern sogar der Besitz ist strafbar. Die wichtigsten dieser Art sind:
    • Balisong (»Butterfly«),
    • Faustmesser,
    • Fallmesser,
    • Springmesser, bei denen die Klinge vorne heraus schießt oder länger als 8,5 cm ist.

Zum Beispiel die allermeisten Schweizer Messer sind also problemlos legal zu führen.

Eine Bemerkung zur Selbstverteidigung: Wenn du nicht gelernt hast mit einem Messer zu kämpfen, dann solltest du es lassen! Komm nicht auf die Idee eins dafür mitzunehmen. Dann wäre nämlich der Zweck des Messers die Verwendung als Waffe, und damit hast du ein Problem mit dem Gesetz. Egal warum du irgendeinen Gegenstand dabei hast, du solltest auch nie gegenüber der Polizei erwähnen, dass du ihn zur Selbstverteidigung hast.

Ausland

Im Ausland gelten sehr unterschiedliche Gesetze. Beispielsweise haben Großbritannien, Dänemark und Japan sehr viel strengere Regelungen als Deutschland; Österreich hat keine so strengen. In der Schweiz ist federunterstützte Öffnung verboten. Teilweise gelten auch innerhalb eines Landes unterschiedliche Regelungen, wie in den USA.

  1. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung. Lies das Gesetz selbst nach und frage für verlässliche Auskünfte einen spezialisierten Anwalt, die Polizei vor Ort oder das BKA

  2. Was in Flugzeugen im Handgepäck (und Gepäck) mitgebracht werden darf regelt die EU-Verordnung 185/2010. Siehe dort vor allem Anlage 4-C (»Liste der verbotenen Gegenstände«). Kleine Messer mit einer Klingenlänge bis 6 cm sind danach erlaubt. Fluggesellschaften und Behörden können diese Regeln allerdings noch verschärfen. 


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